Archiv für den Monat: Oktober 2015

Selbstbelohnung

Man muss sich mal was gönnen. Besonders wenn die Woche nicht so der Bringer war.
Junge junge habe ich mich die Woche auf Arbeit geärgert über gewisse Dinge. Und ich habe auch noch weit mehr Stunden geleistet, als aufgrund der Überstunden angeordnet sind. Dafür habe ich mir dann am Freitag die Freiheit genommen vor 14 Uhr zu gehen, auch wenn ich einen, in meinen Augen, merkwürdigen Blick eines Produktions Ingenieurs geerntet habe. Aber das war mir so was von egal.

Das war soooo schön, endlich mal vor 14 Uhr in den Feierabend (und ins Wochenende) zu gehen. Und es war noch hell als ich nach Hause kam.
Wie ich am Montag dank der Umstellung auf die Winterzeit zum Feierabend feststellen musste das es schon dunkel ist wenn ich nach Hause kam, hat das meine Laune nicht gerade gesteigert.

Egal… und weil ich es am Freitag geschafft habe so früh zu gehen, wollte ich mich belohnen. So bin ich mit dem Bus eine Station weitergefahren, und habe ein Steakhouse in meiner Nähe aufgesucht. Denn mir war mal wieder nach einem leckeren Rinderfiletsteak. Das esse ich ja viel zu selten. Das kostet eben immer etwas, ist aber sein Geld wert.
Ach war das gut und lecker. Das habe ich wirklich gebraucht. Ich war im siebten Himmel.
Vergessen all der Stress und Ärger der Woche für den Moment. Manchmal ist es so einfach mich glücklich zu machen.

Und nein, kein Bild vom Filetsteak. Mir ist es offengestanden peinlich in der Öffentlichkeit sein Essen zu fotografieren. Außerdem siegt da immer die Gier vor dem Drang das Essen präsentieren zu müssen.

Jakob

Ich hatte mal einen Papagei. Einen Graupapagei um genau zu sein. Ich bekam ihn mit ca. 13 Jahren zu Weihnachten geschenkt, und er war gut 17 Jahre in meinem Besitz. Mein Vater kam auf die Idee den Papagei Jakob zu nennen.

Jakob konnte recht gut sprechen. Nicht sonderlich viel, aber ein paar Wörter und Sätze hatte er schon drauf.

„Guck“
Wenn man ihm eine Erdnuss vor die Nase gehalten hat.

„Muttis Süßer?“
Beim füttern am Morgen (das sagte meine Mutter immer, wenn sie ihn Futter gab).

„Schlaf schön“
Wenn man Abends das Licht ausgemacht hat.

„Papa bei Honker, ein Schnaps ein Bier!“
Honker, so hieß der Kneipenwirt, bei dem Vater seinerzeit oft zugegen war. Und meine Mutter brachte Jakob dann diesen Satz bei. Was mein Vater nicht so prall fand, also hörte sie irgendwann damit auf, und Jakob auch.

Und noch einiges mehr.
Lachen konnte Jakob wie meine Mutter. Und meinen Namen rufen, wie meine Mutter… was mich manches mal irritiert hat.

Natürlich nahm ich Jakob mit dem Einzug in meine eigene Wohnung mit.
Papageien sind sehr intelligente Tiere, und je intelligenter ein Tier ist, umso schneller langweilt es sich. Papageien neigen dazu sich die Federn zu rupfen wenn ihnen langweilig ist. Auch Jakob rupfte sich sein Federchen ab. Er sah teilweise nicht schön aus. Irgendwie habe ich das halbwegs in den Griff bekommen. Nur am Hals hat er am Ende noch ein wenig gerupft.
Eine Möglichkeit wäre gewesen, ihm einen Partner mit in den Käfig zu setzen. Doch dafür fehlte mir das Geld und vor allem der Platz.
Es kam irgendwann die Zeit, da nahm meine Arbeit (samt Arbeitsweg) immer mehr Zeit in Anspruch. Ich war tagsüber nicht mehr so lange bei Jakob um ihm Gesellschaft zu leisten.

Und so überwand ich mich schweren Herzens, und gab Jakob nach 17 Jahren weg. Zu einer Frau mit Kind, die schon einen Papagei hatte, und nach einem Partner für ihren Papagei suchte. Die Frau hatte Erfahrung, denn eine Tierärztin hat mir die Frau empfohlen.
Jakob hat sich in der neuen Umgebung recht gut eingelebt. ich habe Jakob einmal besucht, und es ging ihm wirklich gut. Wie sich herausstellte, war Jakob kein Männchen, sondern ein Weibchen. Schon schnell suchte Jakob ein Platz für ein Nest.

Aber drei Monate später erhielt ich einen Anruf, das Jakob gestorben sei. Er hatte einen Hirnschlag bekommen, und fiel einfach von der Stange. Natürlich war ich traurig, aber ich wusste auch das Jakob es in den drei Monaten verdammt gut gehabt hat, besser als all die Jahre bei mir. Das hat es mir etwas leichter gemacht.

Jakob2

In der vergangenen Nacht habe ich von Jakob geträumt. Er saß in einem Käfig der in einem erbärmlichen Zustand war. Jakob selber sah auch sehr schlecht aus.
Im Traum habe ich, nachdem Jakob mich erkannt hat, und realisiert habe das es wirklich mein Jakob ist, Rotz und Wasser geheult.
Danach bin ich vor Schreck aufgewacht, und konnte nicht mehr einschlafen.
Das hat mich schon den ganzen Tag über beschäftigt. Ich habe schon lange nicht mehr so richtig an Jakob gedacht, und dann so ein Traum. Fand ich schon erschreckend.

Berliner Spitznamen

Ich weiß das ich zu dem folgenden Thema schon mal einen Beitrag geschrieben habe, aber durch den Neustart des Blogs in diesem Jahr ist dieser ja auch nicht mehr vorhanden. Also auf ein neues.

Wir Berliner sind schon ein merkwürdiges Völkchen. Mir ist sonst kein anderer Bewohner Deutschlands bekannt, der einem Teil seiner Bauten und Sehenswürdigkeiten „seltsame“ Spitznamen gibt.

So heißt der Berliner Funkturm bei uns „Langer Lulatsch“, der Fernsehturm „Telespargel“, die Siegessäule „Goldelse“, der beliebte Touristentreffpunkt Weltkugelbrunnen am Breitscheidplatz „Wasserklops“, die Kongresshalle ‚Haus der Kulturen der Welt‘ „schwangere Auster“ und und und.

Letztens kam ich in meinem Wohnbezirk Mariendorf an einem alten Berliner Pissoir vorbei, und da ich die Kamera dabei hatte, musste ich das fotografieren.
Die Berliner Schnauze nennt diese Einrichtung „Café Achteck“, bzw. „Café Sechseck“.

Café Sechseck

Mir ist aber nur „Café Sechseck“ geläufig. Ich muss gestehen, von innen habe ich so ein Teil noch nie gesehen.
Aber es ist ein typischer Berliner alter Bau, wie man ihn überall in der Stadt findet. Ich glaube diese Einrichtungen werden auch nie aus dem Stadtbild verschwinden, denn sie gehören einfach dazu.

Ihr hier mitlesenden Kölner, Dortmunder, Düsseldorfer, Münchner, Frankfurter, Dresdner, Leipziger usw., habt Ihr auch lustige Spitznamen für Eure Bauten und Sehenswürdigkeiten? Würde mich ja wirklich mal interessieren.

Pills Pills Pills

Langsam macht es sich wohl wirklich bemerkbar wie sehr mich die wenige Freizeit aufgrund der momentan zu leistenden Überstunden auf mich und mein Leben, bzw. die Gesundheit auswirkt.

Ich wache so ein bis zweimal die Woche Nachts so zwischen Mitternacht und ein Uhr mit richtig üblen Kopfschmerzen auf. Ein erneutes Einschlafen ist mit diesen Schmerzen unmöglich. Nach der Einnahme von zwei Tabletten verschwinden die Kopfschmerzen meist nach einer Stunde, machen dann aber oft (nicht immer) einer Migräne platz. Wenn ich gegen diese Migräne keine Tabletten hätte, könnte ich einige Stunden später den Gang zur Arbeit nicht antreten.
Dumm nur, das ich dann gar nicht mehr einschlafen kann, und mich so bis kurz vor meinem Weckerklingeln um vier Uhr im Bett hin und her wälze. Klar das ich ca eine halbe Stunde vor dem Weckerklingeln einschlafe. Als ob die halbe Stunde Schlaf was bringen würde.
Natürlich bin ich dann den Tag über aufgrund des Schlafmangels müde.

Was die Einnahme „normaler“ Kopfschmerztabletten angeht, so ist diese seit meinem Urlaubsende Anfang September und dem gleichzeitigen Beginn der Überstunden enorm gestiegen. Auf einen Level gestiegen, der mir selber unbehagen bereitet.

Wenn ich nicht so Pflichtbewusst wäre, würde ich an einem solchen Tag zu Hause bleiben.
Aber das wäre ja nur ein Tag von vielen. So viele Tage wie ich mittlerweile Kopfschmerzen habe, wäre ich wohl recht selten auf Arbeit, und wahrscheinlich als „Fauli“ gebrandmarkt. So zumindest meine Denkweise.

Also leiden und weiter arbeiten gehen… ist ja nur bis Weihnachten, und dann soll erst mal mit den Überstunden Schluss sein. Das schaffe ich auch noch… irgendwie.

Der große Danbo hat die Zeichen der Zeit erkannt, und auf Drogendealer umgesattelt, und hält immer Kopfschmerztabletten für mich parat. Natürlich nur gegen bares versteht sich!

Pills Pills Pills    Pills Pills Pills

Das nennt man dann, die Situation geschickt ausnutzen, oder?

Was mir nahe ging

Vor ein paar Wochen habe ich etwas erlebt, was mir doch irgendwie zu Herzen ging.
Ich hatte in einem nahe gelegenen Einkaufscentrum noch etwas zu erledigen und habe mir in Anschluss noch eine Currywurst (na gut, es waren zwei) gegönnt.
Jedoch verspürte ich hinterher wider Erwarten noch einen leichten Appetit auf irgendwas. Ein Laugengebäck sollte es sein, und so fand ich mich am Brötchenshop im U-Bahnhof wieder, und wollte eine Laugenstange erwerben, während ich auf meine U-Bahn nach Hause wartete.

Vor mir am Backshop stand ein ein Mann, so um die fünfzig Jahre alt, und orderte bei der Bedienung das Brötchen seiner Wahl. Der Mann artikulierte sich nicht ganz sauber, denn er war geistig eingeschränkt. Er bat der Bedienung am Tresen darum, das Geld passend aus seiner Geldbörse heraus zu picken, welche er bereithielt.
Teenager hätten sich wohl lustig darüber gemacht, das liegt den Teenagern in den Genen. Ich habe diese Phase nie so richtig durchgemacht, glaube ich. Wer weiß das schon, man verdrängt so vieles was man in seiner Teenagerzeit erlebt und durchgemacht hat
Hatte ich Mitleid mit diesem Menschen? Nicht wirklich. Er ist ein Teil unserer Gesellschaft, und kann alleine und ohne Hilfe durch sie Straßen Berlins wandern und am Backshop seine Lieblingsbrötchen ordern. Das ist doch, in gewisser Weise, toll. Oder?

Als ich an der Reihe war am Backshop, orderte ich meine Laugenstange, und wartete dann auf meine U-Bahn. Und was mache ich wenn ich so auf Bus und Bahn warte? Ich gucke mir gerne Menschen an. Die meisten starren auf ihr Handy und Smartphone, ich schaue mir lieber Menschen an, die das nicht tun. Das kann sehr interessant sein.

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Nicht weit von mir stand der Mann, der geistigen Beeinträchtigung. Und jetzt kommt es, was mir dann sehr nahe ging.
Ich sah wie er sich verstohlen ein Plakat einer attraktiven Schlagersängerin anschaute. Schlager und deren Künstler interessieren mich nicht die Bohne, ich verabscheue dieses Musikgenre geradezu. Daher kann ich auch nicht sagen von welchem Schlagersternchen das Plakat stammte.
Der Mann schaute sich also das Plakat an, trat näher, küsste seine Hand und berührte damit sanft das Gesicht des Schlagersternchens auf dem Plakat.

Wisst Ihr, in dem Moment tat mir der Mann dann leid. Diese Szene hatte so etwas bewegendes für mich.
Weiß der Mann das diese Frau unerreichbar ist? Gerade für ihn mit seiner „Beeinträchtigung“? Kann er seine Situation einschätzen?

Den ganzen Abend ging mir diese Szene nicht mehr aus dem Kopf. Das hat mich schon sehr beschäftigt.
Es ist schade das unsere Gesellschaft nicht bereit, oder noch nicht soweit ist auf diese Menschen offen zuzugehen.